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Ein paar Zeilen zum Wochenende

Hier eine paar Zeilen aus einem meiner wenigen Non-Fantasy-Werke. Einen offiziellen Titel gibt es bislang nicht, aber ich führe es unter dem super kreativen Arbeitstitel ‘Teilzeitlover’. 😉
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„Alles, was du sagst, ist wahr. Ich will keine Entschuldigungen suchen. Ich bin da rein gerutscht und im Moment habe ich nicht die Kraft, wieder herauszukommen. Ich weiß nicht, was ich will. Ich will, dass du und das Baby gesund zurück nach Deutschland kommt, aber darüber hinaus …“ Er zuckte die Achseln.
„Thies …“ Sie stöhnte und wandte sich brüsk ab. „Rede nicht so. Rede nicht, als wenn dich dein eigenes Leben nichts anginge! Die ganze Zeit über haben wir nie anders gehandelt, aber wir müssen endlich Verantwortung übernehmen.“
„Sagt die Frau, die in den entlegensten Winkel Europas flüchtet, damit ich nicht merke, dass sie mein Kind bekommt“, spöttelte er und sie gönnte ihm einen garstigen Blick, den er trotzig erwiderte.
„Mach doch, was du willst! Ich bin nicht dein Kindermädchen.“ Sie erhob sich mühsam, aber er brachte sie ins Straucheln und drückte sie zurück in den Sessel.
„Du gehst jetzt nicht!“
„Sagt wer? Der größte Hornochse auf dem Planeten?“
„Warum streiten wir uns eigentlich schon wieder?“
Sie blinzelte und mehrere Sekunden lang schien sie perplex. „Ich bin nicht ganz sicher.“
„Gut. Ich nämlich auch nicht. Wenn du drauf bestehst, zieh ich noch mal meine Du-kommst-mit-mir-nach-Deutschland-und-basta Machonummer ab, aber das macht mich auch nicht klüger in Bezug auf meine Zukunftspläne.“ Er zuckte die Achseln und wandte ihr den Rücken zu.
Sanft und friedlich sah die Winterlandschaft draußen aus, kleine Flocken wirbelten träge herum. Seit Tagen, was das Bild nicht mehr ganz so harmonisch wirken ließ. Es hing ihm langsam zum Halse heraus. Er wollte nicht mehr abgeschnitten sein. Für ihn selbst war es zwar kaum anders als zuvor, aber sie sollte nicht hier sein. Er hatte sich so von allen zurückgezogen, dass bis auf gelegentliche Anrufe seiner Familie oder die Zwangsbesuche bei seiner Ehefrau kaum noch ein Privatleben bestand. Und irgendwann hatte ihn sein eigenes Verhalten so sehr angekotzt und beschämt, dass er es nicht einmal mehr hatte ändern wollen.
Ihre Arme schlangen sich um ihn und er spürte ihre Lippen an seiner Schulter, als sie leise sprach. „Würde es deine nicht vorhandenen Zukunftspläne durcheinander bringen, wenn ich dir sage, dass das Baby kommt?“
Er erstarrte, nicht fähig, dass eben gehörte in seinem Kopf zu einem logischen Gebilde zusammenzusetzen. „Das geht jetzt nicht!“
Sie lachte. „Sag das deinem Kind.“
„Nein.“ Er drehte sich zu ihr um und nahm ihre Hände. „Kleine, ich meine das völlig ernst. Es geht jetzt nicht. Es schneit und es ist zu früh und es ist nicht möglich!“